Für alle, die intelligente Sci-Fi, fremde Welten und eine knisternde Academic-Rivals-to-Lovers-Dynamik lieben.
Für die Entwicklung einer neuen Energiequelle werden fünfzig der brillantesten Köpfe der Welt für drei Wochen in das virtuelle Szenario <i>Forschungskreuzer Nebula </i>geschickt. Isoliert und fernab von Sprachbarrieren, Ablenkungen und Industriespionage, sollen sie das Unmögliche möglich machen. Die Mission wird für die Ingenieurin Dr. Yara Meris jedoch schnell zum Stresstest, als sie erfährt, dass sie ausgerechnet mit dem Mann zusammenarbeiten muss, der ihr letztes Projekt vor der gesamten Fachwelt zerrissen hat: Dem Quantenphysiker Dr. Alek Kamiński. Als dann auch noch jemand anfängt, ihre Arbeit zu sabotieren, beginnt ein hitziger Kampf um Dominanz und wissenschaftliche Anerkennung.
Es gibt drei Dinge, die man bei einem Tequila-Shot aus dem Bauchnabel eines Fremden wissen sollte. Erstens: Man muss schnell sein, sonst versickert die Flüssigkeit im Hosenbund, bevor man auch nur das Salz abgeleckt hat. Zweitens: Man sollte immer zuerst prüfen, ob der Typ Selbstbräuner benutzt, denn die Kombination aus Kokos-Karotin und Alkohol ist widerlich. Und drittens: Es ist ein verdammt schlechter Moment, um von der Regierung aufgespürt zu werden.
»Yara! Yara! Yara!«, skandiert die Menge um mich herum, während sich drei Männer in Anzügen und Funkgerät-Kabel im Ohr durch die verschwitzten Studenten schieben.
Hätte ich nicht bereits zwei Gin Tonic und diesen widerlichen Tequila-Selbstbräuner-Mix intus, würde ich jetzt unauffällig den Notausgang anpeilen. So aber reagieren meine Beine eine Sekunde zu langsam und bevor ich auch nur einen einzigen Schritt rückwärts gemacht habe, haben mir die drei Schränke bereits den Weg abgeschnitten.
»Dr. Yara Meris?« Anzugsträger Nummer eins baut sich vor mir auf und starrt auf die ausgelutschte Zitrone zwischen meinen Fingern.
Für einen Moment überlege ich, mich dumm zu stellen und es abzustreiten, aber nachdem die Menge buchstäblich meinen Namen gegrölt hat, ist das wohl zwecklos.
»Kommt drauf an, wer fragt.« Ich werfe die Zitrone auf den Tresen und wische mir mit dem Handrücken über den Mund. »Wenn Sie von der Fakultätsleitung sind, dann kann ich Ihnen versichern, dass mein Budgetbericht noch nicht fällig ist, aber wenn Sie mir einen Drink spendieren wollen, bin ich ganz Ohr.«
Keiner der drei Männer zuckt auch nur mit den Mundwinkeln. Dabei fand ich mich ziemlich witzig.
»Wir kommen im Auftrag des VBS. Wir haben in den letzten Tagen mehrfach versucht, Sie auf offiziellem Weg zu erreichen.«
»Ach, wirklich? Das ist seltsam. Mein Diensttelefon hat gar keine eingehenden Anrufe gemeldet.«
Was wahrscheinlich daran liegt, dass es ausgeschaltet und in Alufolie gewickelt im hintersten Eck meines Gefrierfachs liegt.
»Das wissen wir«, erwidert er und lässt seinen Blick an mir herabgleiten. Er bleibt einen Moment zu lang an meinem bauchfreien Top und den Baggy Jeans hängen. »Genauso wie wir wissen, dass Sie Ihre Termin-Software umprogrammiert haben, damit jede Anfrage aus Bern automatisch an eine Pizzeria in Neapel weitergeleitet wird. Der Staatssekretär fand das nicht besonders witzig. Er ist der Ansicht, dass Sie sich wiederholt äußerst unprofessionell verhalten.« Er tritt einen Schritt zur Seite, weil neben uns am Tresen ein weiterer Shot im Bauchnabel eines Studenten angerichtet wird. Die Menge johlt, was es etwas schwer macht, seine Standpauke über meine Professionalität ernst zu nehmen.
»Nur weil ich einen Doktortitel habe, muss ich meine Freitagabende nicht mit Sudoku-Spielen verbringen.« Mit dem Finger streiche ich mir eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn. »Ich bin noch nicht einmal dreißig.«
Mir entgeht nicht, wie er seinem Kollegen einen vielsagenden Blick zuwirft.
»Bin ich wirklich nicht. Lesen Sie meine Akte. Ich habe meinen Ph.D. mit sechsundzwanzig gemacht, wurde vom Schweizerischen Nationalfonds mit einem Exzellenz-Grant ausgestattet und bin ...« Ich breche ab, weil ich realisiere, wie lächerlich es ist, sich vor Typen zu rechtfertigen, deren einziges Ziel es ist, einen in einen fensterlosen Bunker zu schleifen. »Sie können dem Staatssekretär ausrichten, dass ich an meiner Antwort festhalte. Wie ich bereits in vier E-Mails deutlich gemacht habe, werde ich mich nicht für drei Wochen in den Weltraum verfrachten lassen. Ich habe Klaustrophobie, zudem bin ich Ingenieurin, keine Raumfahrerin.«
»Dies ist kein echter Raumflug, Dr. Meris«, schaltet sich der zweite Anzugträger ein. »Es ist nur eine Simulation. So gibt es keine Sprachbarrieren bei der Zusammenarbeit mit den internationalen Wissenschaftlern.« Er verstummt. Vermutlich weil ich ihn mit hochgezogenen Augenbrauen ansehe.
»Wie haben Sie mich überhaupt gefunden?« Ich schnappe mir eine Serviette und wische mir den klebrigen Zitronensaft von den Fingern.
»Gesichtserkennung. In einem Live des DJs waren Sie im Hintergrund zu erkennen.«
»Wow. Sie betreiben ja einen Riesenaufwand, um mich umzustimmen.«
»Ohne Ihre Berechnungen zur Plasma-Stabilisierung verliert das Projekt die Finanzierung.«
Nun doch etwas neugierig geworden, runzle ich die Stirn. »Wieso fragen Sie nicht Dr. Lin, sie ist eine hervorragende Thermodynamikerin und mehr als qualifiziert. Sie war meine Doktormutter am MIT und ihre Modelle zur Hitzeableitung sind brillant.«
»Dr. Lin ist bereits in der militärischen Forschungsanlage in Bern«, erwidert Anzugträger Nummer eins. »Das Projekt hat vor zwei Tagen begonnen. Alle fünfzig Spezialisten befinden sich in der Simulation.«
Okay, jetzt bin ich offiziell verwirrt.
»Haben Sie nicht eben gesagt, Sie verlieren ohne mich die Finanzierung?«
»Ja, weil jeder Tag im Leerlauf Unsummen an Steuergeldern verschlingt. Die Leitung dachte, Dr. Lin könnte Ihr Fehlen kompensieren, aber sie steckt bei der Skalierung Ihres Basis-Designs fest.«
»Dann schicken Sie mir die Daten und ich löse das Problem in meinem Labor.«
Er schüttelt den Kopf. »Das Risiko von Industriespionage ist zu hoch. In dem Setting sind Sie in einer neuronalen Sandbox. Es tut mir leid, Frau Meris, aber ich fürchte, Sie müssen jetzt mit uns mitkommen. Alle warten auf Sie.« Sein Kollege tritt einen Schritt auf mich zu, sodass er deutlich in meine persönliche Komfortzone eindringt. Mein Blick zuckt zu der Wölbung unter seinem Jackett, die verdächtig nach einem Schulterholster aussieht.
»Ich nehme an, das ist keine höfliche Bitte?«
»Das ist es nicht.«
Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie sich Anzugträger Nummer drei vor der Damentoilette postiert.
Die riegeln den Laden ab? Was glauben die bitte, was ich tun werde? Ich mag meine Freiheit, aber ich lege mich doch nicht mit bewaffneten Agenten an. Bin ich John Wick?
»Kein Grund zur Aufregung, meine Herren.« Beschwichtigend hebe ich die Hände. »Ich wollte eben meine Jacke holen.«